Ein außergewöhnlicher Jahrgang zwischen Trockenheit, kleinen Beeren und großer Hoffnung
Die Weinlese 2026 steht ganz im Zeichen eines außergewöhnlichen Jahres. Selten haben sich die Bedingungen im Weinberg so deutlich zwischen Qualität und Menge unterschieden wie in diesem Jahr.
Die Reben präsentieren sich derzeit kerngesund, die Trauben sind frei von Fäulnis. Gleichzeitig zeigen sich die Folgen der Witterung deutlich: Die Beeren sind kleiner als in normalen Jahren und besitzen eine auffallend kräftige, dicke Schale. Was auf den ersten Blick nach wenig Ertrag aussieht, könnte sich im Keller durchaus als Vorteil erweisen. Denn gerade die kleinen Beeren bringen ein günstiges Verhältnis von Schale zu Saft mit sich – und damit viel Potenzial für aromatische und charaktervolle Weine.
Das Wetterjahr 2026
Bereits der Jahresverlauf hat die Voraussetzungen für diesen besonderen Jahrgang geschaffen. Nach dem Austrieb entwickelte sich die Vegetation zügig. Der weitere Jahresverlauf war zunehmend von Wärme, intensiver Sonneneinstrahlung und vor allem von fehlendem Niederschlag geprägt.
Besonders der Sommer stellte die Reben vor eine große Herausforderung. Die langanhaltende Trockenheit und die hohen Temperaturen führten dazu, dass die Rebstöcke tief auf ihre Wasservorräte zurückgreifen mussten. Auch überregional wurde der Sommer 2026 als außergewöhnlich heiß und trocken beschrieben. Die Folge waren kleinere Beeren und teilweise deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Weinbergen – abhängig davon, wie gut die jeweiligen Böden das verfügbare Wasser speichern konnten.
Für unsere Weinberge in Wallhausen zeigt sich dabei ein bemerkenswerter Effekt: Die Reben haben die Trockenheit erstaunlich gut verkraftet. Statt einer anfälligen oder geschädigten Traubenstruktur finden wir heute ausgesprochen gesunde Trauben vor. Die dicken Beerenhäute sind dabei ein sichtbares Zeichen für die Bedingungen dieses Jahres.
Auch der September präsentiert sich bislang überwiegend trocken und spätsommerlich. Die warmen Tage und zunehmend kühleren Nächte bieten grundsätzlich sehr gute Voraussetzungen dafür, die noch hängenden Trauben langsam und kontrolliert weiterreifen zu lassen. Für die Aromaausprägung und den Erhalt der Säure sind gerade diese kühleren Nächte von großer Bedeutung.
Weniger Ertrag – trotz ohnehin reduzierter Erntemenge
Die Kehrseite des Jahres 2026 ist allerdings unübersehbar: Die Erntemenge fällt sehr deutlich geringer aus.
Und das ist besonders bitter, weil wir auch in guten Jahren unsere Weinberge bewusst nicht bis zum letzten möglichen Kilogramm ausreizen. Unsere Ertragsreduzierung sorgt normalerweise für eine entsprechende Konzentration und Qualität der Trauben. In diesem Jahr kommt nun zur ohnehin reduzierten Ertragsmenge noch der natürliche Mengenverlust durch die kleinen Beeren hinzu.
Das Ergebnis ist eine Ernte, die mengenmäßig deutlich unter dem liegt, was man sich wünschen würde.
Während viele Weinberge bereits gelesen sind, hängen aktuell nur noch die Rieslinge im Felseneck und im Johannisberg.
Noch ist es allerdings zu früh, den Jahrgang endgültig zu bewerten. Wie immer gilt: Erst wenn die Trauben im Keller sind und sich der Wein entwickelt, zeigt sich, was tatsächlich in einem Jahrgang steckt.
Nun warten wir gespannt auf die letzten Rieslingtrauben im Felseneck und im Johannisberg. Die Reben haben in diesem außergewöhnlichen Jahr viel geleistet. Jetzt gilt es, ihnen die letzten Tage zu geben, die sie für einen großen Abschluss dieses Jahrgangs benötigen.
Wir sind gespannt :)